Aussichten

Der Wind der Freiheit

 – Christiane Hegel und die französische Revolution

Wann weiß ich, ob eine Idee für meinen nächsten Roman taugt?
Wenn mir eine Frage zufällt, die ich nicht so ohne weiteres beantworten kann.

Dann werde ich neugierig und stürze mich auf das Thema.

So war es, als ich mich fragte, welche Beziehung Christiane Hegel wohl zu ihrem Bruder hatte.

 

Die Frau, die wegen Schizophrenie in Zwiefalten eingeliefert wurde und die sich mit 59 Jahren in der Nagold ertränkte, kurz nachdem ihr Bruder gestorben war. Ihr Bruder, der als schwer verständlicher Philosoph bekannt ist und der sich, wie manche wissen, für den Antigone-Mythos begeisterte, ein Geschwisterdrama aus der Anike.

 

Noch spannender wurde meine Frage, als ich entdeckte, dass Wilhelm Hegel Hölderlin und Schelling gut kannte und sie alle mit Begeisterung auf die Anfänge der Französischen Revolution reagierten.

 

Die nächste Frage tat sich auf: Wie mochte wohl die 20 jährige Christiane die Ereignisse französischen Revolution empfunden haben? Wie die Bewohner von Stuttgart?

 

Voller Entusiasmus machte ich mich daran, Christiane und Wilhelm eine Stimme zu geben. Doch schon nach 60 Seiten stockte mein Schreibfluss.


Hatte ich gedacht zu wissen, was Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit bedeuteten, weil ich zwei historischen Romanen über Feminismus und Frauenbewegung geschrieben hatte?
Ja. Doch ich merkte schnell, dass es den Begriff Feminismus noch gar nicht gab (der entwickete sich ca ab 1837) eine Frauenbewegung auch nicht. Selbst die Begriffe Freiheit und Gleichheit bedeuteten im 18. Jahrhundert nicht, das was sie heute für mich beinhalten.


Das war die Vollbremsung für meinen Roman.
Drei Monate intensiven Lesens, Recherchieren und Nachempfinden brauchte es, bis ich wieder in meiner Geschichte angekommen war.


Viele Fragen hatten sich aufgetürmt:
Warum griff die Revolution nicht auf Deutschland über? Was verstanden Hegel,  Hölderlin und ihre Freunde unter Freiheit, wenn sie sie forderten? Wie war es unter einem Herzog zu leben, der absolutistisch herrschte? Warum hatten die Frauen kein kollektives Bewusstsein für die Sache der Frauen? Und warum gab es doch einzelne Frauen, die Gleichberechtigung forderten? Und wie wurde auf sie reagiert?


Erst als ich all diesen Fragen nachgegangen war, konnte ich meine Geschichte weiterschreiben.
Mein Anspruch ist, dass jede Leserin und jeder Leser, die Fakten aus meinem Roman weitererzählen kann. Sie können sich sicher sein, dass die geschichtlichen Zusammenhänge korrekt sind. Die Charaktere habe ich so plausibel als möglich konsturiert und die Ereignisse hätten sich so zugetragen haben können.


Ich habe mich bemüht, den Personen meiner Geschichte keine neuzeitliche Motivation anzudichten. Wobei natürlich immer mein persönlicher Blick die Wahrnehmung des Geschehens interpretiert.
Hören/ lesen Sie meine Antworten auf die Frage nach dem Leben der jungen Leute in Stuttgart zwischen 1783 und 1793.

... demnächst!